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In einem kleinen, aber feinen Artikelchen beschreibt Ben Myers theologische Ausbildung als eine Bewegung aus dem Gebet hin zum geistlichen Zeugnis in der Welt:

“Das fasst für mich den ganzen Zweck der theologischen Ausbildung zusammen: nicht um Studenten schlauer zu machen, sondern ihnen zu helfen, mit Gott im Gebet und mit anderen als Zeugen zu reden.”

Dieses Ziel führt ihn zu folgender Beschreibung:

“Auf diese Weise wird eine akademische Disziplin zu einer Form von Nachfolge; Theologie wird Gebetsübung. Wenn wir wirklich darüber nachdenken, was Gott in Christus für uns getan hat, wird unser Reden über Gott zur Danksagung. Und diese Danksagung wird zu einem freudigen Zeugnis der Gnade und Güte Gottes für andere.”

Echte Theologie entsteht nicht durch akademisch akkreditierte Denkakrobatik, sondern in der Begegnung einer Person mit dem persönlichen Gott – eine gute und wegweisende Anregung, die man nicht oft genug hören kann.

mörderisches!

Gestern abend waren die beste E.v.a. und ich zu einer echt kriminellen Lesung eingeladen, bei der vier interessantemörderische Schwestern” Teile aus ihren Büchern und zum Teil unveröffentlichte Manuskripte vorstellten. Die Palette reichte von entführten Kindern über einen lebenslustigen italienischen Commissario bis zur schockierenden Nekrophilie eines Serienmörders. Fast alles in bayrisch-oberpfälzischen Ambiente angesiedelt versteht sich. Natürlich können solche Bücher nicht an die wirklichen Größen der Kriminalliteratur heranreichen, aber ein vergnüglicher gemeinsamer Abend war es allemal. Dass das Ganze in einem Polizeipräsidium stattfand und anschließend noch kurz die “echte”, wesentlich unspannendere Polizeiarbeit vorgestellt und eine Besichtigung der Einsatzzentrale bei laufendem Betrieb unternommen wurde, war eine echt gelungene Abrundung.

die freude wählen

Immer wieder begegne ich Menschen, die mit ihren privaten oder dienstlichen Verhältnisse unzufrieden sind. Lebens- und Glaubensfreude scheint schwer zu finden und manche haben das Klagen zu einer hohen Kunst verfeinert. Und ich merke es auch an mir selbst: in uns Menschen steckt einfach eine starke Anziehung für Sorgen und depressive Stimmungen – wir scheinen eine tiefsitzende Tendenz zu haben, immer auf das ‘halb leere Glas’ zu sehen, anstatt auf das halb volle. Dazu  fielen mir heute diese Sätze auf:

“What brings the joy we so much desire? Are some people just lucky, while others have run out of luck? Strange as it may sound, we can choose joy. Two people can be part of the same event, but one may choose to live it quite differently than the other. One may choose to trust that what happened, painful as it may be, holds a promise. The other may choose despair and be destroyed by it.”

Zu unserer Menschlichkeit gehört immer die Freiheit, zu wählen. Und manchmal auch, ganz bewusst anstelle der miesen oder depressiven Reaktion die Freude zu wählen. Und in dem, was geschieht, die Verheißung zu entdecken.

papst 2.0

Auch Benedikt XVI. ging neulich wieder 2.0 – in seiner Botschaft zum “Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel 2010″. Nachdem auch die römisch-katholische Kirche sich inzwischen von statischen Webseiten zur aktiven Nutzung der social media bewegt, ermutigt der Papst unter missionarischen und seelsorgerlichen Gesichtspunkten ausdrücklich dazu:

“Auch in der digitalen Welt soll bekannt werden, daß die Zuwendung Gottes zu uns in Christus nicht eine Sache der Vergangenheit ist und auch keine gelehrte Theorie, sondern eine ganz und gar konkrete und aktuelle Wirklichkeit.”

Das Ganze liest sich zwar naturgemäß sehr priesterzentriert (wobei man sich angesichts wachsenden Priestermangels auch fragt: was sollen die noch alles tun?) – aber die Richtung stimmt. Denn das Evangelium gehört auch mitten in die vielfältigen Möglichkeiten der social media.

kulturkampf 2.0?

So umschreibt Thomas Schirrmacher einige aktuelle gesellschaftspolitische Bestrebungen. Ende 2009 trafen sich Vertreter orthodoxer, katholischer und evangelischer Kirchen in New York, um eine Stellungnahme zu ethischen und gesellschaftlichen Themen zu bedenken und zu verabschieden: die Manhatten Declaration (hier auf deutsch als PDF). Die Verfasser verstehen die Erklärung bewusst als Impuls, der zum Nachdenken und zur kritischen Diskussion anregen soll: “wir rufen alle Menschen guten Willens auf, ob Gläubige oder Nichtgläubige, die hier angesprochenen Themen sorgfältig zu bedenken und kritisch zu prüfen.”

In einem interessanten Artikel nimmt Schirrmacher diesen Impuls nun auf und stellt wesentliche Aussagen und Themen der umfangreichen Erklärung in den Kontext unserer deutschen und europäischen Gesellschaft. Einige Sätze daraus als Appetitanreger:

“Christen sollen nichts mehr für falsch halten dürfen, was andere tun. Sie sollen ihre Ethik ad acta legen, nicht etwa zugunsten keiner Ethik oder einer freien Ethik nach Gutdünken, sondern zugunsten der Ethik derer, die den Kulturkampf führen. Die Kirchen sollen entweder in ihrer Mitte die Ethik anderer praktizieren, oder andernfalls völlig aus dem öffentlichen Leben verdrängt werden.

Es spielt überhaupt keine Rolle, um welche Themen es im Einzelnen geht. Manch ein Christ, manch eine Kirche, wird sich bei manchem Thema lieber wegducken wollen. Manches Thema wird ihnen lästig sein, bei manchen Themen verstehen sie nicht, warum es anderen Christen so wichtig ist. Aber sie alle werden der Grundsatzfrage auf Dauer nicht aus dem Weg gehen können. Die eine oder andere Kirche, der eine oder andere Theologe mögen länger in der Öffentlichkeit als nicht so eng gelten – am Ende wird es alle treffen.

Das westliche Christentum hat sich sowieso in weiten Teilen der westlichen Kultur bis kurz vor die Selbstaufgabe angepasst. Jetzt ist ein Punkt erreicht, wo dies nicht weiter möglich ist, ohne den christlichen Glauben selbst aufzugeben. Wer es trotzdem erzwingen will, tut der Christenheit vielleicht sogar einen Dienst, weil sie sich ganz neu fragen muss, was ihr Glaube an Gott eigentlich im Alltag bedeutet und wie viel er ihnen eigentlich wert ist.”

Vielleicht entbehrt die Darstellung nicht einer gewissen, unterschwelligen Endzeitdramatik. Trotzdem sind hier einige aktuelle gesellschaftliche und politische Verwerfungen Europas auf den Punkt gebracht, die wir gegenwärtig erleben und über die sich zumindest gründlich nachzudenken lohnt!

espresso liturgie

Billy Kangas ist nicht nur Theologe, sondern auch Kaffeefan und Barista. Offenbar lag es deshalb für ihn nahe, das alles einmal zusammen zu denken. Er erklärt es so:

“After many years of trying to practice a contemplative prayer life while working as a Barista, a number of prayers and reflections began to emerge. I kept them mostly to myself, but every once in a while I would tell a friend, “coffee is in itself a pattern for worship,” or “did you know the Cappuccino is the perfect metaphor for the Trinity.”

Kaffee als Anbetung? Cappucino als Metapher der Trinität?! Vermutlich immer noch mit einem Augenzwinkern geschrieben, aber durchaus anregend zu lesen entstand so jedenfalls seine Espresso-Liturgie. Folge einfach der Tasse …

tips für bloggende pastoren

Schon wieder etwas von David, aber seine “Suggestions for Pastor Bloggers” (selbstverständlich wieder eine typische Zehnerliste :) ) sind einfach zu gut, um sie nicht zu erwähnen. Einige Punkte daraus in Übersetzung:

1. Anonymität. Davon halte ich nichts, außer in extremen Fällen. Wenn du dich selbst dort draußen zeigst, dann tu es auch. Meiner Meinung nach ist der Zweck des Bloggens doch, Informationen anderen zugänglich zu machen. Sich zu verbergen steht diesem Zweck entgegen. Wie schon gesagt: außer deine persönliche Situation ist irgendwie zu extrem, gefährdet oder ungewöhnlich.

3. Diskretion. Schreibe nicht über sensible Themen deiner Gemeinde oder ihrer Mitglieder, deiner Freunde oder Familie … außer du hast ihre ausdrückliche Erlaubnis für bestimmte Geschichten. Sonst wirst du damit vielleicht ein paar Leser gewinnen, aber die Entfremdung von deinen Leuten riskieren. Vermeide Sensationsgier und respektiere immer die anderen.

6. Blogging. Eines was ich lernen musste: häufiges Bloggen hält dich davon ab, perfekte und ausgefeilte Gedanken zu formulieren. Das halte ich aber für wertvoll: du erlaubst anderen damit, dir bei der Entwicklung deiner Theologie, Praxis und Person zuzusehen. Bücher sind wie Zement. Blogs aber sind wie Zement, bevor er hart wird. Deshalb werden deine Gedanken und Artikel unvollkommen und manchmal auch falsch sein. Gewöhn dich daran.

der ‘fünfte evangelist’

“Wenn man über die vier Evangelisten der Bibel hinaus partout von einem weiteren sprechen möchte, dann kommt allein Johann Sebastian Bach selbst eine solche Würdigung zu. Die Aussage seines Werks würde dies tatsächlich in mancher Hinsicht rechtfertigen.”

“Tatsächlich sind die Menschen heute eher kirchenfern. Aber das bedeutet nicht, dass sie an geistlichen Themen und Fragen nicht interessiert wären. Und gerade das beobachte ich in unseren Konzerten. … Wir beobachten einen sehr starken Zulauf, das wachsende Interesse eines breiten Publikums – und darin gerade auch junger Menschen – an dieser Musik. Das heißt, dass vielleicht manche Dinge, die früher in Gottesdiensten angeregt wurden, heute eher auf einer kulturellen Ebene vermittelt werden und die Menschen erreichen.”

Einige Zitate aus einem interessanten Interview mit Helmuth Rilling, der als erster das gesamte Kantatenwerk J.S.Bachs einspielte und eine international beachtete Bachakademie begründete. Dabei war es für Rilling immer wichtig, den Menschen nicht nur die beeindruckende Musik des großen evangelischen Komponisten nahezubringen, sondern auch ihre biblischen Grundlagen und ihre geistliche, teilweise sogar evangelistische Botschaft.

mitfreuen ist schwieriger

In einer ansprechenden Predigt zu Römer 12,4-16 heute in unserer Gemeinde hat sich mir besonders eine Aussage eingeprägt. Paulus fordert in einem Satz die Christen auf: “Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden.” Dazu hat der Prediger darauf hingewiesen, dass es uns normalerweise viel leichter fällt, Mitleid mit den Leidenden und Erfolglosen zu haben. Denn schließlich ist das nicht nur eine gute Tat auf unserem moralischen Konto, sondern kommt auch unserem tiefsitzenden Drang nach eigener Überlegenheit entgegen. Sehr viel schwieriger ist es dagegen, fröhlich zu bleiben, wenn jemand mehr erreicht als wir und sich über den Erfolg anderer ehrlich mit zu freuen.

Dabei ist ja sogar das, was andere besser hinkriegen oder erreichen auch “mein” Erfolg – wenn ich die Aussage über den ‘ganzen Leib’ der Gemeinde in diesem Kapitel ernstnehme. Denn schließlich gewinnt dann nicht nur einer, sondern der ganze Leib, und damit auch ich. Und trotzdem, es steckt in uns. Ich weiß jedenfalls, es steckt in mir: Mitfreuen bleibt immer schwieriger als Mitleid haben. Ehrliches Mitfreuen ist eine echte geistliche Lernaufgabe!

brockensammlung (37)

Kleinere Brocken, aus dem Netz gefischt:

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