der unerklärte rest

Die Hoffnung der Mensch könne sich selbst verändern und zugleich die dunklen Mächte, die in ihm toben, bändigen, hat getrogen“ bilanziert Ulrich Greiner in einem interessanten Artikel, auf den ich durch einen Hinweis von godnews gestoßen bin.  Einst habe die Moderne dem Menschen mit der Eliminierung dessen, was sie für Gott hielt, den „Ausgang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit“ (Kant) versprochen, ein besseres, freieres Leben unter dem Banner der selbstbestimmten Vernunft. Auch eine neue, säkulare Ethik entstand und sollte helfen, zwischen richtig und falsch, nützlich und schädlich zu unterscheiden – allerdings nur, um an einem „unerklärten Rest“ zu scheitern. Nämlich an der Erkenntnis, dass der Mensch von Natur aus offenbar nicht edel, hilfreich und gut ist, sondern immer noch zum Gewalttäter am anderen wird. Und wo man die Sünde endlich pragmatisch entsorgen wollte, kam sie doch wieder in neuer, zweidimensionaler Gestalt zurück:

„Die wachsende Zahl der Verbote, Maßregelungen und repressiven Ratschläge, mit denen wir uns gegenseitig zu einer gesundheitsbewussten, sozial verantwortlichen und ökonomisch effektiven Lebensweise zwingen, ist Ausdruck der Tatsache, dass dem christlichen Abendland das Christentum abhandengekommen ist, nicht aber die Sünde. Vom Sex vielleicht abgesehen, steht alles, was Spaß macht, unter Verdacht: das schnelle Auto ebenso wie die Zigarette, der Schweinsbraten ebenso wie das Glas Schnaps. Nichts scheint verwerflicher als das gute Leben. […]
Auch die Askese ist wieder da. Der Zölibat erntet Hohn und Spott, aber die Idee, sich einer großen Sache so ausschließlich zu verschreiben, dass daneben kein Raum für Privates mehr bleibt, hat in anderen Sphären Anhänger gefunden. Politiker, die kein Familienleben mehr kennen, Wirtschaftsbosse, die rund um die Uhr im Einsatz sind, leben eine moderne Variante der Enthaltsamkeit. Der Gott des Geldes und des Erfolgs verlangt von seinen Dienern zuweilen mehr als der Gott der Christen.“

Greiner beschreibt treffend das bittere Dilemma des modernen Menschen, der gott los geworden ist: „Wir sündigen noch, können aber Verzeihung nur von uns selber erbitten. Wir haben die Sünde noch, aber keinen Gott mehr.“ Verzeihung nur noch von uns selbst? Wie gut, dass es immer noch die andere Botschaft von echter Vergebung und Freiheit gibt. Von einem Gott, der in Christus dem Menschen gnädiger ist als der Mensch dem Menschen.

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