ihr leben für die anderen

Katastrophen sind immer auch Zeiten der stillen und oft namenlosen Helden. Weil ich oft mit Einsatzkräften zu tun habe, die politische Entscheidungen anderer ausbaden oder in kritischen Situation aufräumen müssen, was andere eingebrockt haben, gehen meine Gedanken in diesen Tagen oft zu den ‚letzten Arbeitern‘, die in den Kraftwerken von Fukushima und anderswo unter Einsatz der eigenen Gesundheit und des eigenen Lebens noch verzweifelt versuchen zu retten oder wenigstens zu bremsen, was in der sehr kritischen Lage kaum noch aufzuhalten ist. Keith Bradsher und Hiroko Tabuchi beschrieben gestern in der New York Times sehr eindrücklich die „letzte Verteidigungslinie“ in den havarierten Reaktoren:

„They crawl through labyrinths of equipment in utter darkness pierced only by their flashlights, listening for periodic explosions as hydrogen gas escaping from crippled reactors ignites on contact with air. They breathe through uncomfortable respirators or carry heavy oxygen tanks on their backs. They wear white, full-body jumpsuits with snug-fitting hoods that provide scant protection from the invisible radiation sleeting through their bodies.“

Der tapfere Einsatz dieser Arbeiter und Einsatzkräfte ist vielleicht von außen kaum nachzuvollziehen. Sie geben sich hin für andere. Sie arbeiten aus einem Gefühl hoher Verantwortung für die vielen anderen Menschen, deren Leben ihnen anvertraut ist, und aus einem Geist unbedingter Zusammengehörigkeit:

„Nuclear reactor operators say that their profession is typified by the same kind of esprit de corps found among firefighters and elite military units. The consensus is always that they would warn their families to flee before staying at their posts to the end.“

Michael Friedlander, der 13 Jahre als senior operator in drei amerikanischen Kernkraftwerken arbeitete, beschreibt eindrücklich die Stimmung und der Zusammenhalt eines solchen Rettungsteams: „You’re certainly worried about the health and safety of your family, but you have an obligation to stay at the facility. There is a sense of loyalty and camaraderie when you’ve trained with guys, you’ve done shifts with them for years.“ Er ist sicher, dass sich auch in amerikanischen Kraftwerken 50 Freiwillige gefunden hätten, die nach einer Evakuierung im gefährlichen Einsatzraum geblieben wären. Bei der Katastrophe von Fukushima werde diese Hingabe außerdem noch durch das spezielle japanische Ethos verstärkt: „Japanese are raised to believe that individuals sacrifice for the good of the group“.

Einige der Einsatzkräfte, die die Brände bekämpfen und die Reaktoren zu kühlen versuchen, gehören wohl nicht zum Reaktorpersonal, sondern auch zum japanischen Katastrophenschutz, sind Polizeioffiziere oder Feuerwehrleute. Vielleicht werden wir ihre Namen nie erfahren – aber Gott kennt sie, die ihr Leben für die anderen geben. Und mindestens unsere Gebete sollten auch mit ihnen und ihren Familien sein.

* Hier hat der SPIEGEL den Artikel der NYT übernommen und ergänzt.

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Ein Gedanke zu “ihr leben für die anderen

  1. Vielen Dank für den Hinweis auf den Spon-Artikel. Eine Katastrophe diesen Ausmaßes macht fassungslos. Hoffen wir, daß das Allerschlimmste verhindert werden kann.

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