ja zu mir

Nochmals eine Lesefrucht aus einem Artikel, der mich in letzter Zeit immer wieder beschäftigt hat:

„Ich bin überzeugt, dass es nicht gelingen kann, sich selbst voll und ganz anzunehmen außer unter dem Blick Gottes. Es lohnt sich, sich bei Niederlagen, Irrtümern und Misserfolgen Zeit zu nehmen und sich vorzustellen: wo ich mich selbst verurteilen möchte, lächelt Gott mich liebevoll an: „nimm dich doch in deinen Schwächen und Leistungen nicht so wichtig! Mach dir doch nicht vor, es gäbe etwas, was ich dir nicht verzeihen könnte.“ Wir haben ein vitales Bedürfnis, dass ein anderer uns seinen Blick schenkt, damit wir uns selbst lieben und akzeptieren können. Dieser Blick kann der eines Angehörigen sein oder eines Freundes, aber mehr als alles andere ist es der Blick Gottes, unseres Vaters.

Wenn wir zu hohe Ansprüche an uns haben, landen wir in einer gefährlichen Sackgasse. Denn je mehr wir unsere Fehler, Grenzen und Schwächen nicht wahrhaben wollen, desto sensibler werden wir für die Schwächen anderer, denen wir die Schuld dafür geben, dass bei uns etwas nicht gut gelaufen ist. Wer auf diese Weise seine Schwäche auszublenden versucht, wird unwahrhaftig. Er spielt sich und den anderen etwas vor und verliert damit zunehmend den Kontakt zu seinen ursprünglichen Kräften: der Kraft zu lieben, zu leiden, sich ganz hinzugeben. Um seelisch stark zu bleiben, müssen wir unsere Schwäche anerkennen und annehmen und uns dann Christus zuwenden und ihm erlauben, in unserem Leben zu wirken. Er will und kann etwas für mich tun, was ich selber nicht tun kann. Ohne die Erfahrung seines Erbarmens bleibe ich verschlossen für ein uneingeschränktes, bedingungsloses Ja zu mir.“

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5 Gedanken zu “ja zu mir

  1. Sehr gut das. Das ist Spiritualität von unten im Gegensatz zu einer triumphalen Spiritualität. Die Schwächen und Dunkelheiten sehen, annehmen und verwandeln lassen…

  2. Das finde ich auch. Lebensnah. Und lebens- und glaubenspraktischer als so manche spirituellen Höhenflüge.

  3. @Günter: Gerne, das ist aus dem Artikel:
    R.Böhm, Ideale und Gefährdungen – Meine Identität in Christus; in: Brennpunkt Seelsorge, Nr.158 / 2/2010, aus S.40-41. Früher oder später (meistens allerdings Monate später) landen die Hefte und Artikel auch hier im Archiv:
    http://www.ojc.de/brennpunkt-seelsorge.html

  4. Zitat: wo ich mich selbst verurteilen möchte, lächelt Gott mich liebevoll an: “nimm dich doch in deinen Schwächen und Leistungen nicht so wichtig! Mach dir doch nicht vor, es gäbe etwas, was ich dir nicht verzeihen könnte.”

    Amen dazu.
    Beleuchtet das, was für mich gerade Thema ist. Vertrauen, und sich selber annehmen, belastet durch Herkunftsfamilie.
    Schwer. Allein unmöglich zu heilen.
    Durch solche Artikel dringt Licht ein. Be blessed!

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