ich surfe, also bin ich

„Für immer mehr Menschen ersetzen die sozialen Netzwerke die Religion“ behauptet der Berliner Philosoph und Religionswissenschaftler Norbert Bolz in einigen interessanten Bemerkungen zum „Kultischen Netzwerk“. Die Beteiligung am jeweiligen Netzwerk stelle für die Menschen eines „gottunfähigen“ Zeitalters das bereit, was früher Sache der Religion war: Sinnstiftung und Weltvertrauen, Geborgenheit und Kohärenz. Dabei komme es nicht so sehr auf die einzelnen Inhalte oder Informationen, sondern auf die Kommunikation als Ganzes an (Zitat komprimiert):

„Schon zu Luthers und Gutenbergs Zeiten hat die Religion von Kult auf Kommunikation umgestellt. Heute haben wir eine interessante Ersatzreligion: Kommunikation als Kult. Und nicht nur im Internet. Auch Politik hebt sich in Rhetorik auf. Von Kirchenmännern hört man nur noch „reden wir darüber“, und Talkshows verwirklichen die romantische Utopie vom unendlichen Gespräch. Nicht was, sondern dass geredet wird, zählt. Es geht nicht um Kommunikation, sondern um Faszination. Das Netzwerk ist die Frohe Botschaft.“

Weil Menschen im Netzwerk aber genau das suchen, was früher ‚religio‘ hieß, deshalb ist umgekehrt für Bolz auch die Theologie diejenige Wissenschaft, die am besten geeignet sein müsste, die neue Internetgesellschaft zu beschreiben. Das ist in der Tat eine spannende Herausforderung!

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