autofreuden

Unsere Autos kommen gerade in die Jahre und so haben wir in diesen Wochen angefangen, einen Ersatz zu suchen. Irgendwie kann das ja eine Wissenschaft für sich sein – oder so betrieben werden. Die absolute Krönung erlebte ich allerdings gestern in einem sehr großen und bekannten Autohaus in der Münchner City. Ganz gezielt wollte ich mir einen im Internet ausgeschriebenen Gebrauchtwagen anschauen. In der ‚gehobenen Mittelklasse‘, also etwas, was durchaus ein lohnender Verkauf für einen Händler sein müsste. Weit gefehlt allerdings. Aber der Reihe nach:

Die erste Ernüchterung bot bereits der Empfang in einer großen, verglasten Eingangshalle mit fünf oder sechs schicken ‚Beratertischen‘. Verwaisten Tischen allerdings – na gut, vielleicht haben die mittags um zwei alle etwas anderes zu tun. Während ich etwas über zwanzig Minuten unschlüssig in der Halle stand, war kaum jemand zu sehen – außer einem etwas yuppihaften Mister Ganzwichtig, der ein paar Mal mit dem Telefon am Ohr an mir vorbeihastete. Einmal war es auch ein Kaffeebecher in der Hand, aber auch der war wohl interessanter als ein potentieller Kunde. Zumindest ein Gruß, eine kurze Frage nach dem Anliegen und vielleicht ein „ich habe leider gerade zu tun, aber schicke Ihnen sofort jemand“ hätte in einer kundenfreundlichen Firma aber vielleicht drin sein können?

Kurz vor Erreichen des Wartezeitlimits, das ich mir inzwischen gesetzt hatte, kam doch noch ein anderer Mitarbeiter um die Ecke. Und er grüßte sogar freiwillig! Also zeigte ich ihm hoffnungsvoll meinen Ausdruck des Angebots. „Der steht oben“ war die Antwort, „kommen’s mit“. An einem grundsätzlich einladenden Aufzug vorbei stapften wir ein paar Treppen hoch in etwas, das wie ein Ex-Parkhaus aussah, in dem nun Autos verkauft werden. Der Mitarbeiter nahm den Fahrzeugschlüssel aus einem Schrank, öffnete den Wagen und meinte: „Kennen Sie den A schon?“ (ich spare mir die Marke, denn die kann grundsäzlich nichts dafür). Mein „Nein, so einen hatten wir bisher noch nie“ hätte eigentlich einen agilen Verkäufer sofort motivieren müssen, die Eigenschaften und Vorteile dieses Fahrzeugs nun umfassend vorzuführen, zu empfehlen und für Fragen da zu sein. Nicht so mein Kundenberater. Mit einem kurzen „ahja, na dann schauen sie ihn sich halt mal an“ verschwand er wieder nach unten. Und zwar mit den Autoschlüsseln.

Nun macht es relativ wenig Sinn, sich einen mit technischen Finessen ausgestatteten Wagen im stromlosen Zustand „anzuschauen“. Ein bißchen Probesitzen und Heckklappe öffnen ging wenigstens. Ein paar tote Schalter konnte ich noch drücken oder nach Rost suchen, aber schon die Schaltung ist bei diesem Fahrzeug ohne Schlüssel nicht zu testen. Geschweige denn alles andere. Also schaute ich ihn mir ein paar Minuten an und fand ihn eigentlich ganz hübsch – aber weitere Erkenntnisse waren so kaum zu gewinnen. Nachdem ich noch ein wenig durch das kalte, einsame Stockwerk geschlendert war und mir einige andere schicke Wagen angeschaut hatte, machte ich mich also auch wieder auf den Weg nach unten. Natürlich brav über die Treppen.

In der nun komplett menschenleeren Glashalle angekommen dauerte es diesmal nur acht Minuten, bis mein engagierter Berater von irgendwo auftauchte. „Und, wie ist der Wagen?“ Ich antwortete, dass er ganz hübsch ist, aber ohne Schlüssel nicht viel mehr festzustellen sei. Er grinste nur etwas hilflos und meinte nach einer Pause „ja, da haben Sie wohl recht“. Nach 15 weiteren stummen Sekunden wurde er von meinem fragenden Blick erlöst, weil jemand um die Ecke kam und etwas von ihm wollte. Als er dem anderen ohne weitere Bemerkung irgendwohin folgte, war meine Schmerzgrenze dann doch erreicht und ich verließ wortlos das schicke, bekannte Münchner Autohaus. Und grübelte auf dem Heimweg über einige ungelöste Fragen nach: ob es an mir lag? Hatte ich vielleicht etwas mißverstanden und die wollen da eigentlich gar keine Autos verkaufen? Und wieso reden die in der Autobranche eigentlich von Krise? Ein solides Ergebnis hatte dieser Besuch jedenfalls: ich weiß, wo wir in Zukunft nicht kaufen werden.

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Ein Gedanke zu “autofreuden

  1. Oh, ich bin mir fast sicher, dass ich in DIESEM Autohaus auch gewesen bin… und … ich durfte ebenfalls nur Trockenschwimmen.

    Aber andere Städte/Vororte haben auch schöne Autohäuser – mit besserem Service und Preisniveau noch dazu.

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