verlorene kultur

„Grob geschätzt lassen sich drei Viertel der westlichen Kunst nicht verstehen, wenn man nicht weiß, was Altes und Neues Testament und die Heiligengeschichten erzählen.“

Umberto Eco

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5 Gedanken zu “verlorene kultur

  1. Zwei Dinge:

    Mein ehemaliger Kunstlehrer hat, als ich mich mit ihm über die Bibel unterhalten habe, gesagt, dass sie ja auch eine Art „Kunstwerk“ ist. Ich weiß, manchen „Fundamentalisten“ mag das schockieren, aber ich finde, da ist was wahres dran. In dem Sinne, dass die Bibel wie die Kunst, denke ich, sich an etwas zu nähern sucht, das im Grunde unbeschreiblich, unfassbar ist. Und sie hat, denke ich, alle Mittel genutzt, das „Wahre“ auszudrücken. Wie die Kunst. (D.h. nicht, dass deswegen alles „nur“ Bilder sind)

    Erst kürzlich war ich wieder bei uns im „Museum am Dom“, da gehe ich regelmäßig hin, seit ich etwa 16 Jahre alt war. Gewisse Szenen verstand ich, lebe ja schließlich in Bayern 😉 – andere wiederum nicht, die haben sich erst in den letzten Jahren erschlossen. Aber die Kraft dieser Bilder hat mich dennoch innerlich geformt, denke ich. Manchmal frage ich mich, inwieweit eine Empfindung für die Kunst auch notwendig für die Religion ist. Ob ich, um die Bibel zu verstehen, es vielleicht auch brauche, mich den Ausdrucksformen der Künstler auszusetzen…
    Nicht umsonst wird ja sehr häufig über Malereien, Plastiken etc. gepredigt.

    Kultur hat aber, denke ich, keine gute Stellung in unserem Bewusstsein (wie Kunst und Religion). Von mir könnte ich nicht behaupten, dass ich die Mythen um soviel besser kenne als ich die biblischen Geschichten kannte. Obwohl ich sogar auf einer Waldorfschule war, die da besonderen Wert drauf legt. Es ist doch immer noch so: Die Menschen früher waren eben alle „naiv“ bzw „beschränkt“, haben nur herumfantasiert und lebten in einer Scheinwelt, wir aber wissen alles besser, wissen, wie es „wirklich“ ist. D.h. „wirklich“ ist gleichzusetzen mit materiell bzw. fassbar. Dagegen steht die Sehnsucht der Künstler nach etwas mehr (aber die „zählt“ eben nicht).

    Vielleicht ist Glaube eigentlich Kunst in dem Sinne, dass Gott schöpferisch an uns tätig ist. Und diese Kunst drückt ein Künstler eben aus, versucht es, durch die Mittel, die ihm zur Verfügung stehen (fromm ausgedrückt).

    Sorry, eigentlich wollte ich nicht soviel schreiben. 😦

  2. @Mailin – schön dich wieder mal zu lesen 🙂

    Da hast du wieder einige interessante Gedanken geschrieben. Natürlich kann man die Bibel auch als „Kunst“ verstehen in dem Sinne, dass sie versucht, Wahrheit, Wirklich und Unfassbares mit den Mitteln dieser Welt auszudrücken. Und es gibt ja auch Sprachkunst nicht nur ‚Bilder‘. Wenn es Gottes Welt ist, vermittelt dann nicht jede Kunst, die mit den Mitteln dieser Welt arbeitet und versucht, diese wiederzugeben, auch ein Stückchen von Ihm? Oder Spuren seines Geistes, der bekanntlich auch dort weht, wo es manche gar nicht so gern sehen?

    Ich weiß nicht, ob eine Empfindung (bzw. Empfindsamkeit) für Kunst Voraussetzung für „die Religion“ ist. Ich denke eher nicht, das wäre doch ein wenig hochmütig gegenüber allen, denen kulturelles oder künstlerisches Verständnis nicht so gegeben ist. Vielleicht für eine „Religion“ wie sie manchmal in der akademischen Sphäre verhandelt wird – aber das biblische Evangelium kann auch der schlichteste Mensch verstehen, der nie ein Museum von innen gesehen hat, oder?

  3. Museumkenntnis ist nicht nötig, denke ich. Im Gegenteil. Ein „schlichter“ Mensch hat es wohl oft leichter (weil nicht so verkopft, was Kunst eigentlich gerade NICHT will!!)

    Ich denke nur, dass es möglich ist, dass Menschen, die in ihrem Leben gelernt haben, etwas hinter den Dingen zu sehen (das ist, denke ich, was Kunst macht) wohl auch leichter in der Bibel zwischen den Zeilen etwas sehen. Sozusagen das NT verstehen und darüber hinaus noch mehr verstehen. Was man nicht auf dem ersten Blick sieht.

    Drum halte ich es für gefährlich, wenn in den Schulen die musischen Fächer gestrichen werden und die biblischen Bücher „nur“ noch theoretisch gelesen werden. Das ist, was für mich Kunst ist (es gibt keine allgemein gültige Definition): Das, was da ist immer wieder neu in verschiedener Gestalt auszudrücken und diese Gestalt verweist auf etwas, das unfassbar ist (zB Liebe).

    Liebe übrigens ist für mich auch eine Form des künstlerischen Tätigseins bzw Erlebnisses, in dem Sinne, dass sie etwas erschafft. Aber nun will ich nicht zu weit ausschweifen 🙂

  4. PS: Ja, klar, ich denke schon, wenn ich versuche, diese Welt wiederzugeben (zB im Gemälde), wie sie ist, dann stelle ich natürlich – christlich gesprochen – das Werk Seiner Hände dar.
    Ein Freund von mir sagt, dass er Gott v.a. erlebt, wenn er von einem hohen Berg in die Weite sieht. Das ist auch sowas, denke ich.
    Ich glaube ohnehin, dass das Problem nicht ist, dass Gott etwa nicht da ist, sondern dass man eben nicht hinsieht. Und nun, ein Künstler sieht, wenn er malt. Drum empfinde ich Künstler IMMER als Gottsucher, auch wenn sie von ihm eigentlich nichts wissen wollen.
    Aber ich habe wirklich das Gefühl, dass ich so langsam abschweife…. 😉

  5. @Mailin – Danke für deine Brocken, ich finde sie gar nicht soo abschweifend. Dass Künstler im Grunde immer Gottsucher sich, finde ich einen interessanten Gedanken!

    Und es stimmt natürlich, manchmal haben vermeintlich ’schlichte‘ Menschen es sogar viel einfacher, das Evangelium zu verstehen, als Leute auf den intellektuellen Höhen. Wäre ja auch schlimm, wenn es den Gebildeten vorbehalten wäre (obwohl man manchmal in der akademisch-theologischen Welt den Eindruck hat, manche denken das).

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