erntedank

Nein ich habe mich nicht im liturgischen Kalender vertan, sondern gestern Abend die Verfilmung von „Erntedank“ gesehen. Zu den Romanen um den kauzigen, ziemlich original allgäuerisch gezeichneten Kommissar Kluftinger haben wir eine besondere Beziehung, weil sie in der Gegend spielen, in der wir 15 Jahre lang gelebt haben und weil wir die beiden Autoren persönlich kennen.

Unsere Begeisterung hielt sich dabei zunächst in Grenzen, was aber nicht an der gekonnten und atmosphärisch dichten filmischen Umsetzung von Regisseur Rainer Kaufmann lag, sondern vermutlich daran, dass Bücher und ihre Protagonisten im Kopfkino immer anders aussehen als auf dem Bildschirm. Den bodenständigen, wortkargen und damit echt allgäuerischen Kluftinger haben wir uns einfach immer anders vorgestellt als so, wie ihn Herbert Knaup nun Gestalt werden ließ. Auch andere Details und Handlungsstränge waren gegenüber dem Buch verändert: Kluftinger fährt natürlich immer seinen alten Passat – welches Productplacement hat ihm stattdessen bloß diesen seltsamen (und dazu noch württembergischen!) Daimler verordnet?

Und die Orte – ja mit den Orten stimmt so einiges nicht. Das Westertor liegt nicht in Kempten und in Buxheim gibt es natürlich die Kartause mit dem wunderschönen Chorgestühl, aber niemals dieses im Film gezeigte Haus von Frau Urban – und es gibt schon gar kein gemeinsames „Erntedankvolksfest Kempten-Memmingen“, hoi des wär jo nou schöner! Aber sowas fällt wohl nur Einheimischen auf. Die auswärtigen Zuschauer werden ohnehin genug damit beschäftigt sein, bei den Dialogen einige harte Verstehensnüsse der oft recht gelungenen allgäuerisch-niederbayrisch-schwäbisch-sächsischen Sprachverwirrung zu knacken.

Natürlich gab es auch viel Schönes! Für uns viele bekannte Ansichten Allgäuer Landschaften und Orte, manchmal effektvoll farblich verfremdet, eine durch häufigen Einsatz der Handkamera in vielen Szenen intensive Atmosphäre. Und der Roland Hefele wird für mich als überzeugendster, ‚echtester‘ Kriminalbeamte im Team gespielt. Insgesamt also ein Film, den wir nicht bereut haben und der schon sehenswert ist – bei dem man sich aber von der Buchvorlage innerlich freimachen und ihn einfach als eigenes, durchaus gelungenes Werk genießen muss. Dann kann man mit dem Autorenduo Klüpfel-Kobr sagen: „Gar it amol ganz so schlecht“. Und das ist im bayrisch-schwäbischen Sprachgebrauch bereits ein dickes Lob  🙂

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