amok zum zweiten

Zu dem allgegenwärtigen Amokthema sind mir in den letzten Tage zwei ‚Brocken‘ begegnet, die zum Nachdenken herausfordern. Das erste war ein Artikel:

„Darf Goethes Werther künftig erst ab einem Alter von 21 Jahren gelesen werden? Und sollte Hermann Hesse aufgrund seiner Sympathie mit einem Amokläufer nachträglich der Nobelpreis aberkannt werden? Der Vorwurf des schlechten Einflusses der Medien – wie in diesem Fall das Print-Medium »Buch« – auf die kindliche bzw. jugendliche Psyche ist so alt wie die Medien selbst. Es ist noch gar nicht lange her, dass in der Bundesrepublik eine heftige Diskussion darüber geführt wurde, ob »Comic-Strips« aus Gründen des Jugendschutzes nicht generell verboten werden sollten.“

So schreibt Johannes Näumann über den Amoklauf von Erfurt im April 2002. Das Literaturcafé hat ihn neu gepostet und nur die Orstnamen geändert – und siehe da, die nüchterne Warnung vor überhasteten Reaktionen und vorschnell identifizierten Einflüssen stimmt noch immer.

Der zweite Brocken ist ein Gedicht, das ich über Ilona bei David gefunden habe:

koma

erfurt
emsdetten
winnenden
dokumente von ohnmacht
und lieblosigkeit
Hilfeschreie. mit großem echo zwar
und kopfschütteln und unglaube
und erklärungsversuchen
aber am ende?
dann bis in drei jahren

Das klingt traurig und hilflos. Vielleicht auch etwas zynisch. Aber auch realistisch. Uns bleibt ’nur‘ das kyrie eleison für die vielen Betroffenen und die Einsatzkräfte – aber auch für die Familie des Täters. Aber damit bleibt uns mehr als vielen anderen.

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