xing, facebook, twitter und der papst

Benedikt XIV. veröffentlichte neulich eine Botschaft zum ’43.Welttag der sozialen Kommunikationsmittel‘. Zwar gehen ihm (oder seinen kardinalen Ghostwritern) Begriffe wie ‚digitale Kommunikation‘ oder ’sogenannter Cyberspace‘ noch etwas zögernd und schwerfällig über die Lippen, aber ingesamt finden sich darin einige Bemerkungen, welche die elektronische Kommunikation in einen interessanten anthropologischen und theologischen Horizont stellen. Mir gefällt, dass er immer wieder die guten und positiven Seiten der Vernetzung und deren Chancen betont:

„Die neuen digitalen Technologien führen zu grundlegenden Änderungen in der Art und Weise der Kommunikation und in den zwischenmenschlichen Beziehungen. … Diese Technologien sind ein wahres Geschenk für die Menschheit. … Insbesondere die jungen Menschen haben das enorme Potential der neuen Medien erfaßt, Verbindung, Kommunikation und Verständnis unter Menschen und Gemeinschaften zu fördern. Viele Vorteile entstehen aus dieser neuen Kommunikationskultur.“

Im weiteren Text sehe ich mindestens drei Schwerpunkte:

Auch die digital social media entsprechen der biblischen Anthropologie, die den Menschen zutiefst als Beziehungswesen sieht. Sie sind „nichts anderes als moderne Ausdrucksformen der grundlegenden und beständigen Neigung der Menschen, über sich hinauszugehen und in Beziehung zu anderen zu treten.“ In Beziehung zu Gott, aber auch zu anderen Menschen – und auch darin wieder zu Gott. In diesem Zusammenhang plädiert Benedikt auch dafür, den Begriff der ‚Freundschaft‘ nicht durch oberflächliche Freundes- und Followerlisten zu banalisieren.

Zweitens hat diese Sicht des Menschen als gottgeschaffenes Beziehungswesen auch Auswirkungen auf das Nutzungsverhalten. Verantwortungsbewusste User sollten daher „keine Worte und Bilder austauschen, die für den Menschen entwürdigend sind, und alles ausschließen, was Haß und Intoleranz nährt, die Schönheit und Intimität der menschlichen Sexualität herabsetzt oder die Schwachen und Schutzlosen ausbeutet.“ Zum anderen sollte auch die virtuelle Beziehungswelt nicht die reale verdrängen:

Es wäre traurig, wenn unser Wunsch, Freundschaften online zu fördern und zu unterhalten, sich auf Kosten der Verfügbarkeit für die Familie, für die Nachbarn und für diejenigen, denen wir im Alltag am Arbeitsplatz, in der Schule oder in der Freizeit begegnen, verwirklichte. Wenn der Wunsch nach virtuellem Anschluß obsessiv wird, dann wirkt sich dies tatsächlich dahingehend aus, daß sich der Mensch isoliert, indem er die wirkliche soziale Interaktion abbricht.“

Drittens betont Benedikt die missionarischen Möglichkeiten der digitalen Netzwerke und ruft in Analogie zu den ersten Christen, welche das Evangelium bewusst in die Kultur der griechisch-römischen Welt getragen haben, auch Christen von heute dazu auf, in den neuen Medien präsent zu sein und sie bewusst zu nutzen. Eine runde und gute Botschaft – nicht nur für Katholiken 🙂

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