atheisten werben für gott … ?

Ich muss zugeben, zuerst hat mich der ausführliche Fernsehbericht neulich etwas verärgert. Weil er wie viele sogenannter ‚Berichte‘ heute auf die Macht der Bilder und Emotionen setzte, statt auf Argumente. Weil er so unkritisch war, wie es unsere Medien bei keiner christlichen Veranstaltung durchgehen ließen. Und weil wir uns schließlich auch mal ärgern dürfen, wenn etwas angegriffen wird, das uns persönlich wichtig und wertvoll ist. Einer der weiteren Gedanken war dann aber: hm, warum eigentlich nicht! Denn dadurch könnten auch interessante Gespräche aufkommen.

Es ging um die „atheist bus campaign„, die gerade in London läuft. Sie wurde mit tatkräftiger Hilfe eines atheistischen Werbestrategen ins Leben gerufen von einer jungen Frau, die sich über christliche Anzeigen auf Bussen geärgert hat. Auch der aktuelle Vorzeigegottesinfragesteller Richard Dawkins hat sich dabei als Werbefigur einspannen lassen. Gegenwärtig macht die Aktion europaweit ‚Berichte‘ und Schlagzeilen; unter anderem berichtete auch der Spiegel ausführlich – und natürlich wohlwollend.

atheistenbus

Auf diese Kampagne antwortete auch Nick Spencer vom britischen Theos-Thinktank mit einem Artikel im Guardian: „Blessed be the atheists„. Er sieht in der Kampagne nach innen und nach außen, für Christen und für alle anderen nicht zuletzt einen guten Anreger (in etwas gekürzter, freier Übersetzung):

„Wenn auf dem Mark ein Mitbewerber auftaucht, zwingt das dazu, die eigene Haltung zu überdenken und die eigene Botschaft wieder mit den Menschen zu verbinden, die plötzlich vor eine Wahl gestellt sind. Danke deshalb den Atheisten und ihrer Bus-Kampagne! Religion war ein Großbritannien lange Zeit ein Ein-Produkt-Markt und die Käufer konnten die Gottesfrage durch einfaches Ankreuzen ihrer Kirchenzugehörigkeit auf amtlichen Formularen rasch abhaken. Die Atheistenbusse bieten nun ein ganz anderes Produkt an – und sie eröffnen damit eine tolle Möglichkeit für den Marktführer!

Das Wunderbare an dieser Kampagne ist, dass sie etwas total unenglisches macht. Sie redet öffentlich von Gott. Die meisten Christen sind gewillt, über ihren Glauben zu sprechen wenn das Thema auftaucht. Sie zögern, von sich aus darauf zu kommen (vermutlich um nicht als ‚Fundamentalisten‘ gebrandmarkt zu werden), aber sie reden gern über Gott wenn ein Freund danach fragt, der dazu provoziert wurde – zum Beispiel durch so einen Bus.“

„Natürlich“ sagt Nick, „nur dadurch dass etwas ins Gespräch kommt ist nicht garantiert, dass Gott auch die Diskussion gewinnt.“ Aber er ist zuversichtlich, dass das geschehen wird. Und das wohl mit gutem Grund.

Nun, öffentlich über persönlichen Glauben zu sprechen ist nicht nur unenglisch, sondern mindestens genauso tief undeutsch. Auch wenn in zahllosen Talkshows jedes noch so abstruse Problem dem öffentlichen Seelenstriptease unterzogen wird; Glauben gilt auch bei uns als Privatsache (jedenfalls der Glaube an Gott oder Jesus, natürlich nicht der Glaube an Horoskope, Kräuterblüten, heilende Steine oder Hexen – das ist trendy). Über Glauben an Gott oder Jesus spricht man nicht. Oder jedenfalls nicht so schnell.

Aber wenn es nach manchen Nachrichten geht, soll die Kampagne noch in andere europäische Länder ausgeweitet werden. Vielleicht sollten wir schon mal fröhlich gespannt sein auf die ersten Atheistenbusse in Hamburg, Berlin oder München – und auf die Chancen, die sie eröffnen?

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