krisotainment

„Krisotainment“ und „apokalyptisches Spießertum“ sind nur zwei seiner spitzen Formulierungen. Matthias Horx scheint für die ‚Zukunftsforschung‘ so etwas wie der Kachelmann fürs Wetter zu sein – mit der Gabe, seinen Standpunkt fundiert und pointiert, aber dennoch allgemein verständlich zu formulieren – und dabei sogar noch unterhaltsam lesbar zu sein. So auch in einem Interview bei TP, in dem er einige aktuelle Entwicklungen anspricht. Einige Zitate:

„Wenn sich Prognostiker in die Öffentlichkeit wagen, unterliegen sie sofort einem problematischen Zwang, dem Sensationszwang. Wenn Sie mit Prognosen wahrgenommen werden wollen, müssen Sie jede Art von Unsinn erzählen. Das Beste ist Schwarzmalen, die Apokalypse kommt immer gut, bringt Sie in jede Talkshow – und Sie können nicht unrecht haben, denn wenn es nicht so kommt wie vorausgesagt, dann liegt es daran, dass Sie so gut gewarnt haben. Die andere Möglichkeit ist, erhöhte Erlösungsphantasien von sich zu geben. Das bleibt im Gedächtnis hängen, das sind die Strategien, mit denen man sich Aufmerksamkeit verschafft.

Ich glaube, dass es heute eine Art innerer Verzagtheit gibt, wo sich die kulturellen, ökologischen und politischen Ängste mit einem enormen Beharren zusammentun – das nenne ich das „apokalyptische Spießertum“. Dieser Spießer ist jemand, der sich überhaupt nicht bewegen wird und die Welt dauernd als Katastrophe wahrnimmt, dies vor allem tut, um sich selbst zu erhöhen, sich zu bestätigen und Feinde zu definieren – das ist bei einem mangelnden Selbstwertgefühl auch immer sehr probat – und zu legitimieren, dass er für nichts die Verantwortung hat. Das nenne ich apokalyptisches Spießertum.“

Horx ist seinerseits überzeugt, dass „die Welt besser werden kann, wenn wir die richtigen Entscheidungen treffen. Wir sollten uns klarmachen, dass wir … Verantwortung haben, sei es nun in der Wirtschaft, Familie oder Politik. Das ist für mich ein Erbe der Aufklärung.“

Dieser vorsichtige Zukunftsoptimismus erinnert ein wenig an Hans Jonas und ist innerhalb eines evolutionären Paradigmas natürlich auch legitim. Ich bin trotzdem dankbar, dass Gott uns noch einen ganz anderen Horizont eröffnen hat. In dem, der die Zukunft in Person ist und der von sich sagt: „in der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden“ (Joh.16,33). Das entbindet uns natürlich keineswegs vom verantwortlichem Handeln – aber es macht gelassen angesichts mancher Apokalypsen, die so vermarktet werden.

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