glaube an die kirche die zweite

Nach den Gedanken zum „Glauben an die Kirche“ neulich sind mir noch weitere Texte von Henri Nouwen zu diesem Thema begegnet. Er verstand es, Inhalte schlicht, aber sehr treffend und einprägsam in Worte zu fassen. Als Fortsetzung des letzten Eintrags deshalb hier noch einige weitere Zitate. Dabei meint Nouwen mit ‚Kirche‘ in diesem Zusammenhang weder eine bestimmte Kirche noch einzelne Konfessionen – obwohl sich ‚die Kirche‘ natürlich auch immer leibhaftig konkretisiert. Aber eben in verschiedenen Formen und Gestalten.

„Unser Glaube an Gott … ist nicht real ohne unseren Glauben an die Kirche. Die Kirche ist dieser unwahrscheinliche Leib aus verschiedenen Menschen, durch den Gott seine Liebe zu uns offenbaren wollte. Ebenso wie es unmöglich erscheint, dass Gott in einer jungen Frau Mensch werden wollte, die vor zweitausend Jahren in einer kleinen, nicht besonders respektierten Stadt im Mittleren Osten lebte, ist es genauso unwahrscheinlich, dass Gott sein Heilswirken in einer Gemeinschaft von Menschen fortsetzen will, die ständig durch Diskussionen, Vorurteile, Autoritätskonflikte und Machtspiele in Zereissproben gerät. Aber dennoch: der Glaube an Jesus Christus und der Glaube an die Kirche sind zwei Seiten desselben Glaubens. Das ist unwahrscheinlich, aber göttlich.

So wie Jesus ein Mensch unter anderen war, ist die Kirche auch eine Organisation unter vielen. Und so wie es attraktivere Erscheinungen als Jesus gegeben hat, gibt es auch viele Organisationen, die deutlich besser als die Kirche geleitet werden. Aber sie ist sein Volk, zusammengerufen, um seine Gegenwart in der heutigen Welt sichtbar zu machen. Hätten wir Jesus als Christus erkannt, wenn wir ihn damals getroffen hätten? Und sind wir fähig, ihn heute in seinem Leib, der Kirche, zu erkennen? Das ist eine geistliche Herausforderung. Wenn wir sie annehmen, werden unsere Augen geöffnet und wir sehen die Herrlichkeit Gottes.

Diese Kirche zu lieben erfordert keine romantischen Gefühle. Es erfordert den Willen, den lebendigen Christus in seinem Volk zu sehen und es so zu lieben, wie wir ihn selber lieben wollen. Die Kirche zu lieben bedeutet bereit zu sein, Jesus zu treffen, wo immer wir der Kirche begegnen. Es bedeutet nicht, mit den Ideen oder Verhaltensweisen von allen einverstanden zu sein. Aber egal ob wir die anderen bestätigen, kritisieren oder loben – wir können nur Frucht bringen, wenn unsere Worte und Handlungen aus einem Herzen kommen, das die Kirche liebt.“

Einen letzten Gedanken fand ich persönlich bewegend. Er betrifft die vielleicht gar nicht so seltene Situation, dass wir durch eben diese Kirche verletzt werden:

„Wenn wir durch die Kirche verletzt worden sind, bringt uns das in große Versuchung, sie abzulehnen. Aber wenn wir seine Kirche ablehnen, wird es für uns sehr schwierig, den Kontakt mit dem lebendigen Christus zu halten. Wenn wir sagen ‚Ich liebe Jesus, aber ich hasse die Kirche‘ dann enden wir damit, dass wir nicht nur die Kirche, sondern auch Jesus verlieren. Die Herausforderung besteht darin, der Kirche zu vergeben. Diese Herausforderung ist besonders groß, weil die Kirche uns selten um Vergebung bittet, wenigstens nicht offiziell. Aber Kirche als fehlbare menschliche Organisation braucht unsere Vergebung. Es ist wichtig von Kirche nicht als „die da“ zu denken – sondern als eine Gemeinschaft von ständig ringenden, schwachen Menschen, von denen wir ein Teil sind und in der wir unseren lebendigen Herrn und Erlöser treffen.“

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