verwandelter glaubenseifer

„Man hat einmal der Religion die Aufgabe zugebilligt, Gemeinschaft zu stiften. Was machen da nun säkularisierte Gesellschaften wie die deutsche? Das Problem löst man am besten dadurch, dass man die Religionen ziehen lässt, ihren Sanktions- und Züchtigungsapparat aber vorsorglich einbehält. So kommen wir endlich zu einem Sündenregister.Wo der direkte Gottesglaube unmöglich gemacht wurde, sucht sich eine Ersatzreligion, oder genauer: eine Ersatzdämonie ihre Bahn. Sie ist zweifellos ein intellektuelles Konstrukt, das einen geschichtlichen Vorgang oder ein Trauma im Gedächtnis der Völker in überzeitliche Dimensionen rücken will. In Deutschland bietet sich dafür ein Griff ins nationale Sündenregister geradezu an.
Ersatzreligion ist ein Korpus, der die Funktionen abgedankter Großreligionen zu imitieren trachtet, nämlich zu erheben, einzuschüchtern und zu dirigieren. Sie schafft ein Klima sektiererischer Nötigung und eignet sich zur außer-parlamentarischen Ausübung von Macht.“

Aus einigen Gedanken von Josef Schmid über Glaubenseifer und Inquisition im säkularen Gewand und die (scheinbar) erlösende Wirkung dauernder Selbstbezichtigung. Eine Form von Religion, die durch ideologische Hintertüren in die Gesellschaft zurückkommt und sich noch inquisitorischer gebärdet als das Original. Ein interessanter Gedanke im Blick auf manche politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen in Deutschland! 

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