eine öffentliche hinrichtung

… nennen manche, was J.B.Kerner diese Woche im ZDF zelebriert hat. Natürlich nicht so plump wie hier oder da oder dort, sondern viel feiner, subtiler und süffisanter: eine ‚öffentliche Hinrichtung‚ mit den geschliffenen Waffen der Mediengesellschaft. Denn was kann es heute schlimmeres geben, als die Verweigerung einer Absolution ‚vor laufenden Kameras‚, die sonst in jeder drittklassigen Nachmittagstalkshow für alles (Un)Mögliche verteilt wird. Denn Wahrheit und Wirklichkeit werden für viele nicht mehr durch Argumente, sondern durch Bilder und Inszenierung bestimmt. Und wer sich da nicht unterwirft, stirbt den Fernsehtod. Zuhören wollte ihr niemand wirklich mehr und sachlicher Inhalt zu ihrem eigentlichen Thema war nicht gefragt. Schon eher scheint dieser Kommentar zuzutreffen:

„Relativ schnell wurde deutlich, dass es der Redaktion einzig und alleine darum ging, Herman nach ihrem Rauswurf als Moderatorin der NDR-Talkshow noch einmal an den Pranger zu stellen.“

Oder wie es ein Kommentar im Spiegel formulierte: es sei ein „programmierter Eklat“ gewesen,

„ein Tribunal mit Eva Herman in der Rolle der Angeklagten, Johannes B. Kerner als Ankläger und drei Geschworenen, zwei Frauen und einem Mann, die ihr Urteil schon vor Beginn der Verhandlung gefällt hatten.“ 

Allerdings war das nicht nur „peinlich“ für den Sender und Sunnyboy Kerner, sondern zeigte wohl auch ein Kennzeichen unserer Zeit: eine sich tolerant und aufgeklärt gebende Gesellschaft schlägt erbarmungslos zu, wenn jemand an den Lieblingsinhalten ihrer gerade herrschenden Ideologie kratzt. Sicher, die Art wie sie ihr Anliegen formuliert, ist nicht immer besonders glücklich. Aber davon ganz abgesehen muss Eva Hermann wohl immer mehr die bittere Erfahrung machen: wer sich heutzutage mit Gender Mainstreaming anlegt, begibt sich auf keine harmlose Spielwiese.

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Ein Gedanke zu “eine öffentliche hinrichtung

  1. Spannend. Gestern in der Sendung West-Art der von mir geschätzte jüdische Zyniker und Schriftsteller Maxim Biller: Hermann sei eigentlich ein Opfer und man habe fröhlich auf ihr herum getreten. Die politisch korrekte Aufarbeitung der Nazi-Vergangenheit sei zur Ideologie verkommen und wer gegen Ideologien verstösst, der wird halt bestraft. Soweit Biller, der sonst sehr wohl sehr differenziert und deutlich bis krass Stellung bezieht gegen versteckten Antisemitismus. So isses wohl und mir wird übel bei all den Betroffenheitsaposteln. Fröhliches Politisch-Unkorrekt-Sein wünsche ich noch!

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