predigtklau

So ein abgelegener Text … der kommt bestimmt in keiner Predigthilfe vor und im Internet gibt’s auch wieder nichts dazu …“ Diese Äußerungen eines Kollegen vor ein paar Tagen hat mich wieder an einen Eintrag erinnert, der schon längere Zeit auf Fertigstellung wartet. Es geht um das Thema Predigtklau. Besser und vornehmer gesagt, um einige ganz interessante Beiträge zum „Predigtplagiat“, die in letzter Zeit erschienen sind. Selbst TP hatte darüber letztes Jahr einige Bemerkungen veröffentlicht und festgestellt: „das Thema liegt in der Luft, da ‚pastoral plagiarism‘, also das Ausschlachten der Predigten von anderen, vermutlich grassiert„. Einen sehr praxisorientierten Standpunkt vertritt Steve Sjogren auf pastors.com: „Don’t be original – be effective!“:

„We need to get over the idea that we have to be completely original with our messages, each and every week. In my mind there is a tremendous amount of pride (let’s call it what it is) when we insist on being completely original as communicators. … Let’s forget about originality – which is often a form of pride. Let’s begin to focus on effectiveness, and pray that we will be powerful at connecting with not-yet believers.“

Steve bekam harten Widerspruch von Ray van Neste, der dadurch die pastorale Integrität grundsätzlich infrage gestellt sieht:

„People who have discovered that their pastors are preaching sermons taken directly from other men or lifted directly from a book … are shocked and feel betrayed. Whatever sort of rationalizing a pastor might do, the fact is that the pastor’s integrity is seriously blemished by this. This issue needs to be raised and addressed for the good of the church.“

Einen eher ausgewogenen, bedächtig argumentierenden Beitrag zum Thema lieferte dann im April Thomas G. Long bei ‚ChristianCentury‘ unter dem Titel „Stolen Goods„. Als ‚Professor of preaching‘ an der Emory University’s Candler School of Theology hat er sich natürlich auch theoretisch damit auseinander gesetzt. Er geht von der wohl zutreffenden Annahme aus, dass besonders das Internet in den letzten Jahren noch erhebliches zusätzliches Benzin für das sich ausbreitende ‚Feuer der Kanzelplagiate‘ geliefert und unser Verständnis von Eigentum und Gebrauch von Informationen grundlegend verändert hat. Predigten, Beispiele oder Präsentationen werden im Netz veröffentlicht – aber sie werden eben nicht nur veröffentlicht, sondern können damit auch ganz oder teilweise übernommen werden. Manchmal geschieht das wohl ungewollt – manchmal aber auch gewollt wie bei Rick Warren (Saddleback Church), der seine Predigten online vermarktet und sie nach dem Motto verbreitet: „if my bullet fits your gun, shoot it“.

Auch die weiteren Argumente bei Long lesen sich interessant: wie steht es bereits mit der (unzitierten!) Abhängigkeit der Evangelien untereinander? Wie weit hat der postmoderne ‚OpenSource‘-Gedanke das Konzept des Plagiats überhaupt modifiziert? Sind Predigtworte nicht Geschenke Gottes, zum freien Gebrauch aller gegeben? Und ist es nicht sogar besser, eine gute Predigt zu übernehmen anstatt die Gemeinde mit einer schlechten zu langweilen? Oder gilt ‚du sollst nicht stehlen‘ auch in diesem Fall? Long plädiert schließlich für größtmögliche Klarheit und Aufrichtigkeit in den Grauzonen des Themas:

„Preachers who strive to tell the truth, who seek to honor the communion of saints, who desire to maintain the trust of the faithful community—that is to say, preachers with ethical integrity—will wrestle with these questions and make the best decisions they can.“

Natürlich ist das für mich auch ein persönliches Thema. Zwar denke ich, dass komplette Predigten selten ‚übernommen‘ werden – dazu hängen sie doch zu sehr mit der Person, der Prägung und dem Sprachduktus des Verfassers zusammen. Andererseits sind wir aber immer ‚Jäger und Sammler‘ und wenn mir eine gute Struktur, treffende Formulierungen oder eine gute Illustration begegnen, fällt es mir schwer, mich nicht davon ‚inpirieren‘ zu lassen. Genauso wie von den vielen angebotenen Predigten, Predigtmeditationen oder Arbeitshilfen. Diskussion und Erfahrungsaustausch wären dazu natürlich spannend. Hallo … hat da draußen noch jemand Gedanken zum Thema?  🙂

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2 Gedanken zu “predigtklau

  1. In der jüdischen Tradition ist es eine Selbstverständlichkeit, darauf hinzuweisen, wenn man Material von anderen verarbeitet / bearbeitet.
    Klau hat nichts „ich-habe-mich-da-eben-mal-inspirieren-lassen“ zu tun.

  2. Da bei diesen selbsternannten Prediger gleich welcher Kirche, der Heilige Geist in ihrem Innern fehlt, das geistige Prinzip Gottes, da gehen sie stehlen ihre Predigtvorlage und Ware, die sie um den irdischen Mammon wegen verkaufen. Gott hat schon unter den Prophten des Alten Testament mit solchen „frommen“Sünder zu tun gehabt und über sie vor den Prophten geklagt, so zum Beispiel bei Jeremia 23,“ Ich sandt sie nicht, doch liefen sie“, so geht es auch heute bei den vielen Religionen bis zu den Sekten-Predigern dieser Erde. Bleibt weiterhin kritisch Ihr Lieben, denn es geht um unser Volk und Europa!

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