Es ist bedrückend, wie in diesen Tagen Menschen im Iran zum Teil unter Einsatz ihres Lebens für etwas kämpfen, das sie als Veränderung und Befreiung empfinden. Noch bedrückender jedoch ist: selbst wenn es zu einem Regierungswechsel käme, würde sich vermutlich nichts Wesentliches ändern. Da kann ich dem Kommentar von Florian Rötzer sogar einmal zustimmen: die reflexhafte mediale Solidarität mit einer „vermeintlichen Opposition“ vereinfacht die komplexe Lage in der islamischen Scheindemokratie vermutlich viel zu sehr. Denn auch ein „scheinbarer Systemwechsel brächte nicht wirklich einen Aufbruch zustande, da die neuen Führer bereits im alten System etabliert waren“.
Insbesondere im Blick auf Israel und das Streben nach Atomwaffen wird sich das Verhalten des Iran wohl weder unter der alten, noch unter einer neuen, ‘oppositionellen’ Führung unterscheiden. Das formuliert auch der israelische Gesandte in Berlin Ilan Mor ganz klar:
„Wir beobachten die Situation natürlich mit höchster Aufmerksamkeit. Auf die Frage, die Israel am meisten interessiert, nämlich das iranische Atomprogramm, hat dieser Konflikt allerdings keinerlei Auswirkungen. Wir gehen davon aus, dass, egal, wer an die Macht kommt, sich an der Atompolitik des Iran nichts ändern wird. Schließlich war der Oppositionskandidat Mussawi Mitinitiator des Atomprogramms. Dass er Ahmadinedschad von der Macht verdrängt, glaube ich übrigens nicht.“

Es wird also immer deutlicher. Eine Analyse der Ereignisse im Iran auf der Basis einer Frage wie: „Was bedeutet das für den Westen?“ oder „Ist das gut für Israel?“ wird weder der Situation, noch den im Iran lebenden Menschen gerecht, Diese kämpfen einfach nur für sich selbst und eine Verbesserung ihrer Lebensumstände.