“… spricht euer Gott. Redet mit Jerusalem freundlich und predigt ihr, dass ihre Knechtschaft ein Ende hat, dass ihre Schuld vergeben ist.” (Jes.40,1)
Heute wird internationaler Holocaust-Gedenktag gefeiert. Wahrlich immer wieder ein Tag, um aus der Geschichte zu lernen und mit vollem Recht wird in Politik und Kirche in diesen Tagen der schrecklichen Ereignisse gedacht. Auch in unserer Gemeinde werden Israelfreunde dazu heute einen Filmabend anbieten, der nicht nur Geschichte vermitteln, sondern auch an geistliche Hintergründe und aktuelle Verantwortung erinnern soll. Das ist die eine Seite.

Auf der anderen Seite kann ich mich manchmal des Eindrucks nicht erwehren, dass tote Juden irgendwie besser zu ‘bewältigen’ sind. Speziell im historisch belasteten Deutschland hat sich da auf verschiedenen Seiten auch ein gewisser ritualisierter Mechanismus eingeschlichen. Aber was lernen wir wirklich aus der Shoah? Zum Beispiel für den Umgang mit lebenden Juden? Natürlich, auch da werden antisemitische Übergriffe mit Recht scharf verurteilt. Zumindest verbal. Und zumindest in Deutschland – aber jenseits unserer Grenzen? Da haben wir oft wenig dagegen, wenn lebende Juden selbstverständlich bedroht werden, gern auch mit Auslöschung ihres ganzes Landes. Und gegen Terrorangriffe wehren sollten sie sich natürlich auch nicht. Aber vermutlich kann man das nicht so einfach sehen und ich habe irgendwelche gaaanz komplexen Hintergründe und Zusammenhänge nicht richtig verstanden … oder?
